Google ehrt schwulen Kriegshelden mit doodle

 

Heute, am 23. Juni, vor hundert Jahren wurde der geniale und homosexuelle Mathematiker Alan Turing geboren. Grund genug für Google, diesem Helden ein Denkmal in Form eines Doodles zu setzen.

Alan Turing

Alan Turing war während des zweiten Weltkrieges maßgeblich an der Dekodierung der deutschen Chiffriermaschine „Enigma“ beteiligt. Dadurch war es den Alliierten möglich die Funksprüche der Deutschen zu entschlüsseln und sie somit erfolgreicher angreifen zu können. Turing gilt außerdem als einer der wesentlichsten Erfinder und Wegbereiter des modernen Computers.

Googles Beitrag ist ein interaktives Modell einer Turingmaschine, einer frühen Art eines Computers, mit Hilfe derer es Turing gelang die Nazicodes zu entschlüsseln.

Enigma Chiffriermaschine

Alan Turing sonnte sich aber nicht im Lichte dieses Erfolgs. Erst nach seinem Tod wurde seine Mitarbeit an diesem Projekt bekannt. Selbst seine engsten Freunde wussten nichts davon. Verbot es ihm die britische Regierung doch darüber zu reden. So wie allen anderen Beteiligten auch, und das waren zur Hochzeit der nachrichtendienstlichen Aktivität immerhin einige tausend Mitarbeiter.

Aus einem anderen Umstand machte Turing allerdings kein Geheimnis. Seine Homosexualität schien ihm keine Problem zu bereiten.
Nachdem Krieg war er an der Universität von Manchester mit der Entwicklung des modernen Computers beschäftigt. Im Jahre 1952 kam es dann zum Wendepunkt in Turings Leben. Turing lernte den damals erst 19-jährigen Arnold Murray kennen. Ein paar Treffen bei Turing zuhause und einige Wochen später, machte sich Murray als Komplize bei einem Einbruch in Turings Haus schuldig. Turing erstattete umgehend Anzeige und verheimlichte dabei auch nicht das damals mehr als brisante Detail, dass der Einbrecher die vorangegangene Nacht bei ihm verbrachte.

Diese Tatsache war nicht nur unvereinbar mit seiner Tätigkeit für den Nachrichtendienst, so verlor er seine Sicherheitsstatus und konnte nicht weiter für die Regierung arbeiten, sondern vor allem war es ein strafbarer Akt im damaligen Großbritannien. So kam es, dass er Opfer seiner eigenen Anzeige wurde. Er wurde in folge dessen wegen „grober Unzucht und sexueller Perversion“ angeklagt und verurteilt. Dabei wurde er vor die Wahl gestellt, eine Haftstrafe anzutreten oder sich chemisch kastrieren zu lassen. Letztere Option wurde damals nocht etwas euphemistisch als psychiatrische Behandlung angepriesen.
Turing entschied sich für die Behandlung mit einem synthetischen Östrogen. Damals schrieb man dem „Weiblichkeitshormon“ eine triebhemmende Wirkung zu. Turing war nicht nur ein Genie, sondern auch sehr sportlich und als exzellenter Marathonläufer bekannt. Die einjährige Zwangsbehandlung mit Hormonen führte allerdings dazu, dass sich sein Körper veränderte, es wuchsen ihm unter anderem Brüste. Diesem Umstand begegnete er anfangs noch mit Humor doch später kam eine schwere Depression dazu.

Alan Turing, Pate für das Apple Logo?

So kam es, dass Turing am 8. Juni 1954 Zuhause tot aufgefunden wurde. Der Verdacht auf Selbstmord lag nahe, auch wenn nicht alle diese Meinung teilten. Die Autopsie ergab, dass Alan Turing an einer Cyanidvergiftung starb. Neben Turings totem Körper fand man einen halb aufgegessenen Apfel und obwohl dieser nie untersucht wurde, wird angenommen, dass Turing die tödliche Dosis Gift über diesen Apfel zu sich genommen hat. Turing war großer Fan des Märchens Schneewittchen und die sieben Zwerge. So berichteten Freunde und Bekannte, dass er, nachdem er den Film gesehen hatte, immer wieder die Verse „Tauch den Apfel ins Gebräu / Lass den Schlaftod einziehen“ gesungen hat.

Turing erfuhr nach seinem Tod viel Anerkennung für sein berufliches Werk. Seine Homosexualität allerdings sorgt selbst heute noch für Konflikte. Erst 2009 hatte der damalige britische Premierminister Gordon Brown eine offizielle Entschuldigung für die Verfolgung Turings durch die britische Regierung veröffentlicht.

minister of Justice

Lord Mc Nally, Justizminister

Die aktuelle Regierung sieht allerdings keinen Anlass zu einem ähnlichen Schritt. Justizminister McNally verweigert eine Entschuldigung, weil Turing nach damaligem Recht ordnungsgemäß verurteilt wurde, auch wenn die Verurteilung heute abscheulich und absurd scheint, so sein Versuch einer Erklärung.

Auch wenn eine Entschuldigung der jetzigen Regierung die Greueltaten der damaligen nicht ungeschehen machen kann, so wäre es doch ein mehr als angemessenes Zeichen, dass man Homosexuelle heute schützt vor willkürlicher Justizverfolgung und ihre hart erkämpften Rechte verteidigt.

 
 
 

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